Von der Rennstrecke auf die Straße – Rennsporttechnik in Straßenreifen

  • Autor: OPONEO.DE

Die Präsenz von Reifenherstellern im Motorsport ist aus Marketingsicht ein Muss für jede Firma. Jedoch ist sie kein Selbstzweck, sondern nur, man könnte auch meinen sogar, eine Herausforderung an den technischen Fortschritt.

Erfolge im Rennsport dienen auch Straßenreifen

Seit ihren Anfängen begleitet die Reifenindustrie den Wettstreit auf der Rennstrecke und bei Rallyes. Die Teilnahme und der Erfolg bei den wichtigsten Rennsportwettbewerben ist für jede Marke Teil der Marketingstrategie, die dem Aufbau des eigenen Rufs dient. Denn wenn die Bereifung von Bridgestone, Pirelli, Michelin, Dunlop oder Goodyear an die Formel-1-Boliden montiert wird (jede dieser Reifenmarken kann sich mit einer bedeutenden Episode in der F1-Geschichte rühmen), bedeutet das, dass die Hersteller in der Lage sind Reifen zu fertigen, die den Anforderungen der Königsklasse des Rennsports gerecht werden. Dies hingegen überträgt sich messbar auf die Qualität der Produkte, die gewöhnlichen Autofahrern angeboten werden.

Diese Denkweise liegt jeder Werbekampagne zugrunde, in der sich ein Reifenhersteller mit seinen Erfolgen im Motorsport rühmt. Neben der Formel 1 betrifft dies auch andere bekannte Rennen und verschiedene Rallye-Arten, aber auch neue Disziplinen, wie z.B. das Drifting oder das durch Ken Block popularisierte Gymkhana. Jedoch muss man bedenken, dass die Erfolge im Rennsport für die Reifenhersteller nur ein Werkzeug darstellen, einen unerlässlichen Optimierungskreislauf, der der Verbesserung der technischen Möglichkeiten dient. Das bestätigen alle Ingenieure in jedem Unternehmen, da keine der bedeutenden Marken ausschließlich Rennsportreifen, sondern hauptsächlich Straßenreifen für Autofahrer ohne Rennlizenz produziert. Und noch etwas: an den Straßenreifen verdient man, bei den Rennreifen zahlt man drauf. So wie bei jeder Vorführung bzw. Werbung.

Michelin-während-des-Rennens

Die größten Reifenhersteller sind im Motorsport von Anfang an dabei.

Die Entwicklung von Wissenschaft und Technik zählt auch im Rennsport

Mieczysław Hermaszewski, der einzige Pole, der in den Weltraum flog, sprach bei einem seiner Interviews über seine Gedanken bezüglich Reisen ins Weltall. „Eine Reise zum Mond oder Mars ist niemals das eigentliche Ziel. Der Erfolg der Amerikaner, die auf dem Mond gelandet sind, war nicht kiloweise Steine, die sie mit auf die Erde gebracht haben, sondern die Entwicklung der Wissenschaft, die Entwicklung der Digitaltechnik, der Rechnertechnik, die Entwicklung der Medizin, der Kommunikation und der Verwaltung“, sagte Hermaszewski.

Wenn man diese interessanten Gedanken auf die Wirklichkeit des Reifenmarktes überträgt, wird man feststellen, dass dieser Markt immer auf den Anforderungen des Motorsportes basierte. Eine der ersten Innovationen der Firma Michelin, ein einfach demontierbarer Reifen, der im Jahr 1891 patentiert wurde, wurde, bevor dieser auf der Straße seinen Einsatz fand, mit großem Erfolg bei den ersten Auto- und Fahrradrennen genutzt. Eine andere durchbrechende Erfindung der französischen Marke war der Niederdruckreifen mit dem Namen „Comfort“, der zuerst auf der Rennstrecke von Le Mans eingesetzt wurde und erst nach seinem sportlichen Erfolg auf der Pariser Automobilmesse vorgestellt wurde.

Reifenwechsel-während-des-Rennens

Es gibt keinen besseren Reifentest als die Teilnahme an einem Rennen.

Das Rennen als Fahrlabor für die Straße

„Ein Rennen ist ein außergewöhnliches Labor für unsere Technologie. Seit jeher regt die Teilnahme die Entwicklung an und erlaubt das Austesten von neuen Lösungen und Materialien, die wir für den Bau von Straßenreifen verwenden“, sagte Mike Martini, der Vertriebschef des amerikanischen Ablegers von Bridgestone, während des hundertsten Rennens von Indianapolis 500, das seit einem ganzen Jahrhundert mit der Marke Firestone in Verbindung steht, die zum japanischen Konzern gehört.

„Extreme Bedingungen auf der Rennbahn ermöglichen die Nutzung der Reifen an ihrer Belastungsgrenze. Dank dessen sind wir in der Lage die auf diese Weise gewonnenen Daten in der Produktion von alltäglichen Straßenreifen zu nutzen“, fügte Martini hinzu.

Das beste Beispiel für eine Kombination aus Rennreifen und der technischen Entwicklung von Straßenreifen ist das Potenza-Modell von Bridgestone. Es wurde zu Beginn der 90er Jahre für die Supercar Series entwickelt, die von der International Motor Sports Association organisiert werden. Das auf der Rennbahn erlangte Wissen führte zur Herstellung des fortgeschrittensten Reifen vom Typ Ultra-High Performance. Dank der Rennen konnte das Unternehmen auch Forschungen zur Einschränkung der Temperatureinwirkung während der Fahrt betreiben. Während der Bolide zum Pit Stop einfährt, erhitzt sich das Gummi auf bis zu 200°C. Diese Technologie nutzte der Bridgestone Konzern u.a. bei der späteren Produktion der Bereifung vom Typ Run-Flat.

Rennbahn-Messung

Das genaue Erfassen der Arbeitsbedingungen von Renn- und Straßenreifen ist wesentlich für deren weitere Entwicklung.

Der Technologietransfer findet auch vom Straßenreifen zum Rennreifen statt

Als Goodyear vor nahezu 10 Jahren die Premiere des High Performance Eagle F1 Asymmetric Modells feierte, wurde unterstrichen, dass zum ersten Mal in einem solchen Ausmaß Technik von der Rennstrecke in einen Straßenreifen übertragen wurde. Dies betraf vor allem die eingesetzten Materialien sowie die Reifenkonstruktion, die beim Zerstreuen der Temperatur, die während der Reibung im Reifen entsteht, und der Verbesserung der Bodenhaftung in Kurven hilft. Bob Toth, der Marketingchef von Goodyear, erklärte, dass moderne Technologien sich im Motorsport schneller entwickeln, als unter herkömmlichen Bedingungen, da Ingenieure aufgrund der Anforderungen im Rennsport intensiver an Neuerungen arbeiten. „Folglich kann man eine Rennstrecke auch als öffentliches Fahrlabor ansehen“, merkte Toth an.

Eine andere von Experten angedeutete Sache ist die, dass über die letzten Jahre der Unterschied zwischen Rennreifen und Straßenreifen deutlich abgenommen hat. Vor vier Jahren wurde der Welt der Dunlop Sport BluResponse Reifen vorgestellt, dessen Vorstellung mit dem Debüt der Rennversion bei den bereits erwähnten 24 Stunden von Le Mans zusammenfiel. Die entscheidendste Optimierung an diesem Modell war die Verbesserung der Kraftstoffeffizienz sowie der Bodenhaftung auf nassen Oberflächen. Eine besondere Herausforderung war es dabei den Kraftstoffverbrauch und den Einfluss auf die Fahrökonomie zu verringern, letzteres ist ein äußerst wichtiger Kennwert bei Langstreckenrennen.

Hierbei ist es interessant, dass der Technologietransfer nicht immer nur in eine Richtung stattfindet. Das bedeutet, dass es Zufälle gab, bei denen Innovationen, die während der Konstruktion von Straßenreifen erarbeitet wurden, Einzug auf die Rennstrecke hielten. Der wohl bekannteste Fall ist dabei die historische Erfindung des Radialreifens von Michelin. Zwei Jahre bevor die Fahrer beim Langstreckenrennen von Le Mans 1951 mit diesen Reifen fuhren, wurden sie in die Citroens, Renaults und Peugeots von gewöhnlichen Franzosen eingebaut.

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