Matsch, Schnee, Eis – das bedeutet Gefahr für Passanten und Autofahrer zugleich. Der Passant rutscht aus, das Auto gerät außer Kontrolle. Wappnen kann man sich als Autofahrer gegen die Gefahren, die von der kalten Jahreszeit ausgehen, mit Winterreifen. Doch wie sieht es mit der Winterreifenpflicht in Deutschland aus?

Winterautorad

Winterreifenpflicht Deutschland

Sind Winterreifen Pflicht in Deutschland? Eine grundsätzliche Winterreifenpflicht gibt es in Deutschland nicht. Wir alle erinnern uns an den Leitspruch aus der Fahrschule: Winterreifen von Oktober bis Ostern aufziehen. Eine gesetzliche Vorschrift ist das aber nicht. Aber es wäre ja nicht mehr Deutschland, wenn es nicht auch hier Regelungen gäbe. Tatsächlich gibt es in Deutschland eine situative Winterreifenpflicht.  Das bedeutet, dass Winterreifen bei „winterlichen Verhältnissen“ – konkret bei „Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte“ – montiert sein müssen. Es muss sich also um Reifen mit der M+S Kennzeichnung, bzw. dem Alpine-Symbol, handeln. Ist die Straße also mit Schnee oder Eis bedeckt, sind Winterreifen Pflicht.

Ab wann sind Winterreifen Pflicht?

Rechnet man dies ein, kann man terminlich genau sagen, ab wann Winterreifen Pflicht in Deutschland sind: Vom 1. November bis zum 31. März.

Bis 2018 reichte die M+S Kennzeichnung aus. Diese steht für Matsch und Schnee. Ein neues Gesetz sieht vor, dass alle für den Winter tauglichen Reifen – also sowohl Winter- als auch Ganzjahresreifen – das Schneeflockensymbol (auch Alpine-Symbol genannt) vorweisen müssen. In Kraft tritt dieses Gesetz ab September 2024. Bis dahin erfüllen noch alle Reifen mit der M+S-Kennzeichnung die Anforderungen an Winterreifen.

Die Strafe bei Missachtung liegt meist bei einem Bußgeld von 60 Euro und einem Punkt in Flensburg.

Auto auf einer schneebedeckten Straße

Warum Winterreifen?

Winterreifen sind auf die kalte Jahreszeit ausgelegt. Einerseits hält die Gummimischung, die mit mehr Naturkautschuk versehen ist, die Reifen auch bei kalten Temperaturen elastisch. Das Fahrzeug liegt besser auf der Fahrbahn dank erhöhtem Grip. Außerdem sind Winterreifen mit einem speziellen Lamellenprofil ausgestattet. Dieses verzahnt sich mit der Fahrbahn – selbst bei Schnee und Eis. Das Risiko des Schlitterns und Kontrollverlustes wird gemindert.

Für viele stellt sich die Frage, ob nicht Ganzjahresreifen eine kostengünstigere Alternative wären, da sie schließlich nicht ständig gewechselt werden müssen und mit dem Schneeflocken-Symbol auch die Voraussetzungen für winterliche Straßenverhältnisse gegeben sind. Eine detaillierte Aufführung von den Unterschieden und wieso es sich lohnt, in saisonale Reifen zu investieren finden Sie in unserem Artikel „Von Sommer- auf Winterreifen wechseln“. Kurz gefasst lässt sich folgendes für, bzw. gegen, Ganzjahresreifen sagen:

  • Sie nutzen sich in Extremsituationen (besondere Hitze sowie besondere Kälte) schneller ab als ihre saisonalen Gegenstücke
  • Sie sind für Eis und Schnee schlechter gewappnet als Winterreifen
  • Sie stellen immer eine Kompromiss dar und es gibt keine Situation, in der sie besonders gut sind im Vergleich zu Sommer- und Winterreifen
  • Sie müssen zwar nicht zum Sommer bzw. Winter ausgetauscht werden, haben aber durch die Dauernutzung auch eine kürzere Lebensspanne.

Übrigens: Auch, wenn die Witterungsverhältnisse zwischen dem 1. November und dem 31. März nicht nach Winterreifen verlangen, kann die Entscheidung gegen Winterreifen sich negativ auf Sie auswirken. Versicherungen können sich querstellen und bei einem Unfall – egal ob von Ihnen verschuldet oder nicht – nichts zahlen.

Temperaturdiagramm

Für wen gilt in Deutschland die Winterreifenpflicht nicht?

Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Zweiräder und auch Motorräder sind von der Winterreifenpflicht ausgeschlossen. Das liegt daran, dass es für sogenannte „einspurige Fahrzeuge“ keine entsprechenden Räder gibt und es demnach bei einer solchen Vorschrift effektiv zu einem Fahrverbot käme.

Aber auch Pkw-Fahrer können theoretisch das Aufziehen von Winterreifen umgehen. Allerdings nur, indem sie bei entsprechenden Witterungsverhältnissen das Auto stehen lassen und stattdessen auf öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrgemeinschaften und Car Sharing zurückgreifen. Insbesondere in milden Klimazonen könnte sich diese Entscheidung lohnen. Wer geht schon gerne für 3 Tage Schnee und Eis zum Reifenwechsel? Mehr Informationen zum Thema Car Sharing finden Sie übrigens in diesem Artikel: Car Sharing – Details, Vorteile und Tipps.