Die Geschichte der Reifen in der Formel 1

  • Autor: OPONEO.DE

Die Geschichte der Formel 1 reicht ins Jahr 1950 zurück, als zum ersten Mal ein kompletter Gran Prix abgehalten wurde, bei dem Fahrer bestimmte Regeln und technische Anforderungen einhalten mussten. Derjenige, der am Ende der Saison die meisten Punkte erzielte, wurde Weltmeister. Das war eine Zeit, in der die Rennen durch Werkteams gewonnen wurden, die Zugang zu Technologien besaßen, welche es ihnen ermöglichten die Boliden herzustellen.

Ein Paradox ist jedoch, dass es anfangs nicht darum ging, schnellstmöglich Fortschritte in der Konstruktion zu erzielen. Der erste Weltmeister, Juan Manuel Fangio, erlang seinen ersten Titel in einem Alfa Romeo 158 aus der Vorkriegszeit und teilte diesen nur mit Giuseppe Farina, seinem Teamkollegen. Der Alfa Romeo 158 war somit der erste Meister-Bolide in der Formel 1 und gleichzeitig eine Konstruktion, die zu seiner Zeit schon 13 Jahre alt war.

Juan Manuel Fangio: 1956 Italienischer Grand Prix

Juan Manuel Fangio: 1956 Italienischer Grand Prix (Foto redbull.com).

Das Auto besaß eine Leistung von fast 400 Pferdestärken, die über recht kleine Reifen auf den Asphalt übertragen wurden. Schon zu dieser Zeit richtete man die Aufmerksamkeit in der Formel 1 bereits auf die Art der Reifen, mit denen die Fahrer unterwegs sind. Fangio nutzte Pirelli-Reifen mit den damals in Zoll angegebenen Größen von 5,50 x 17 auf der Vorderachse und 7,00 x 18 auf der Hinterachse.

Die schmalen Reifen machten es unmöglich in Kurven hohe Geschwindigkeiten zu erzielen. Der Alfa 158, wie auch die anderen Autos zu dieser Zeit hätten gegen heutige Rennautos keine Chance. Das waren Zeiten, in denen Fahrer als echte Helden galten, die am Ende eines jeden Rennens mit Öl verschmutzt und vom Regen durchnässt waren. Sie katapultierten sich auf geraden Strecken mit enormen Geschwindigkeiten und das in Konstruktionen, die schon zu ihrer Zeit viele Jahre alt waren.

In den Jahren 1950 – 1953 wurden in der Formel 1 Reifen von vier Herstellern verwendet: Pirelli, Firestone, Dunlop und Englebert. Damals wurden die Meistertitel hauptsächlich mit Pirelli-Reifen gewonnen, einzelne Rennen hingegen wurden auch mit Firestone-Reifen gewonnen. Im Jahr 1954 kam es zu Änderungen bei den Regeln und zur Königsdisziplin im Motorsport wurde auch Continental und Avon zugelassen.

Zentral platzierte Motoren und immer breitere Reifen

Zum Ende der 50er Jahre hin zeigte es sich, dass Boliden mit vorne angebrachten Motoren allmählich verschwanden und die Rennen wurden zunehmend durch Autos gewonnen, die ihre Antriebseinheit hinter dem Rücken der Fahrer besaßen. Eine bessere Gewichtsverteilung und vor allem die zusätzliche Belastung der Antriebsachse, eine gänzlich andere Aerodynamik und neue Regeln. Zu dieser Zeit gelang Dunlop an die Spitze der Reifenhersteller. Die Marke dominierte in den Jahren 1958 – 1965 und wurde zwischenzeitlich auch zum einzigen Lieferanten für die Königsdisziplin im Motorsport.

Zu der Zeit wurden die Räder immer größer und die Reifen immer breiter. Die Konstruktion war jedoch weiterhin sehr ähnlich zu der, des vergangenen Jahrzehntes. Zum Ende der 60er Jahre hin war eine der besten Maschinen der Lotus 49, Das Auto gewann 12 Rennen und 23 Mal kam es auf einen Podestplatz und sicherte damit Lotus zwei Meistertitel in der Konstrukteurswertung in den Jahren 1968 und 1970. Der Lotus 49 nutzte abhängig vom Zeitraum Firestone- und Dunlop-Reifen.

Zu Beginn wurden 8-Zoll-Reifen an der Vorderachse verwendet. Zum Schluss ging man zu Reifen mit 12-Zoll über. Eine Laufflächenbreite von über 30 cm, die fast doppelt so breit war wie die Lauffläche von Fangio, der den ersten F1-Meistertitel gewann.  

Slicks und die Revolution in der Bodenhaftung

Im Jahr 1971 erschienen in der F1 zum ersten Mal Reifen vom Typ Slick, die über keine Profilrillen verfügen. Die glatten Reifen sichern eine ideale Bodenhaftung auf trockenen Fahrbahnen und ermöglichen bessere Rundenzeiten. Diese Reifen haben gegenüber Reifen mit Profilrillen die Oberhand. Diese Technologie dominiert den Rennsport und wird bis heute erfolgreich verwenden, allerdings hatte sie in der F1 eine kurze Pause.

Es war zum Ende der 70er Jahre hin, genauer gesagt im Jahr 1978, als Carlos Reutemann am Steuer des Ferrari 312T2 den Grand Prix von Brasilien gewann. Das war der erste Sieg in der Formel 1, der auf den Radialreifen von Michelin errungen wurden, die in der F1 seit 1977 verwendet wurden. Radialreifen unterscheiden sich in ihrer Konstruktion von den zuvor verwendeten Diagonalreifen. Sie werden durch ein Drahtgeflecht aus feinen Stahlschnüren gekennzeichnet. Im Fall der Formel 1 ermöglicht diese Konstruktion die Übertragung von größeren Seitenkräften, eine bessere Bodenhaftung auf nassen Fahrbahnen und vor allem einen deutlich besseren Kontakt des Reifens mit der Oberfläche, wenn man im Bogen fährt.

Bereits 1979 gewann Jody Schekter den ersten Meistertitel mit Radialreifen in seinem modernisierten Ferrari 312T4. Gerade einmal 4 Jahre später wurden durch Goodyear die ersten Regenreifen in der Radialtechnologie beim Grand Prix von Monaco eingeführt. In diesem Zeitraum findet der größte Fortschritt in der Reifentechnologie statt. Gleichzeitig war diese Zeit durch den Goodyear-Konzern dominiert, der ein Jahr später seine Radialreifen präsentierte.

Vorherrschaft von Goodyear

Die Marke gewann alles, was zu gewinnen war und wurde schließlich zum einzigen Reifenlieferanten für die Königsdisziplin im Rennsport und das bis ins Jahr 1997. Mit kleineren Pausen dauerte die Glückssträhne von Goodyear über 25 Jahre.

Die Marke Goodyear

Die Marke Goodyear dominierte auf den Rennstrecken nahezu über 25 Jahre (Foto wallpaperup.com)

Im Jahr 1985 wurde in der Formel 1 die Verwendung von Thermodecken erlaubt. Das sind spezielle Radhüllen, die die Reifen erhitzen und auf einer bestimmten Temperatur halten. Auch kurz vor der Einführungsrunde, nachdem die Reifen montiert wurde, werden die Reifen durch die Mechaniker eingehüllt, um dadurch möglichst lange ihre hohen Temperaturen aufrechtzuerhalten.

Das Beheizen der Reifen ist unglaublich wichtig. Der momentane Stand der Dinge ist der, dass die optimalen Fahrparameter von Reifen zwischen 70 und 90°C erreicht werden. Das hängt jedoch davon ab, aus welcher Art von Gummimischung die Abriebfläche besteht. Reifen aus einer weicheren Mischung erhitzen sich schneller und sichern eine bessere Bodenhaftung, sind dafür aber weniger beständig. Reifen aus einer härteren Mischung halten mehr Runden stand, gewährleisten aber nicht dieselbe Leistung.

Die Rückkehr von Reifen mit Profil und die Entwicklung der Aerodynamik

Zum Ende der 90er Jahre hin endete in der Formel 1 das Zeitalter von Slicks und dem Unternehmen Goodyear. Trotz des Protestes der damaligen Meister, Damon Hill und Jacques Villeneuve, wurden Reifen mit Profil eingeführt. Als vor der Saison 1999 die neuen Regeln veröffentlicht wurden, die genau davon handelten, das die Vorderreifen 3 und die Hinterreifen 4 Profilrillen besitzen müssen, beendete der Goodyear-Konzern die Zusammenarbeit mit der Formel 1. Das war der Beginn des Zeitalters von Bridgestone und Michelin sowie eine intensive Entwicklung der Aerodynamik, die nun dahingehen bearbeitet werden musste, um die Verluste bei der Bodenhaftung in den Kurven auszugleichen.

Michelin Reifen

In den 90er Fahren wurden in die F1-Wagen u.a. Michelin-Reifen eingebaut (Foto f1fanatic.co.uk)


An die neuen Reifen passte sich Ferrari zusammen mit Micheal Schumacher am besten an. Die Jahre 1999 – 2004 stellen die Vorherrschaft des italienischen Rennstalls dar. Die Geschichte der F1 zeigt, dass es beim Wechsel des führenden Reifenlieferanten, beim Verbessern der Reifen oder der Modernisierung der Technologie häufig zu einer Änderung des Leaders auf der Rennstrecke kommt. So auch in den Jahren 2005 – 2006, als die Glückssträhne von Ferrari und Schumacher zu Ende ging und zwei Meistertitel durch Fernando Alonso und den Boliden von Renault gewonnen wurden.

Die Saison 2005 ist ebenfalls mit einem lauten Fahrer-Protest beim Großen Preis der USA verbunden, bei dem es um Reifen ging. Das war das einzige Jahr, in dem ein Reifenwechsel während des Rennens und bei gleichbleibenden Wetterbedingungen verboten wurde. Die Fahrer mussten die komplette Renndistanz mit einem Satz Reifen durchfahren.

Die Reifen, die für das Rennwochenende von Michelin vorbereitet wurden, hielten der enormen Belastung nicht stand und nach einigen gefährlichen Reifenexplosionen traten 14 Fahrer von der Teilnahme am Rennen zurück. Im Rennen blieben nur die Fahrer, die Bridgestone Reifen verwendeten. Am Rennen nahmen nur 6 Boliden teil. Dieser unvergessliche Große Preis wurde von Micheal Schumacher gewonnen, der zusammen mit Rubens Barrichello und dem heute vergessenen Tiago Monteneiro aus dem Joradn-Toyota-Team auf dem Podium stand.

Die Rückkehr der Slicks und die Gegenwart

Im Jahr 2008 kam die Zeit für wesentliche Änderungen. Die Entwicklung der Aerodynamik führte die Formel 1 in eine Sackgasse. Das Überholen eines Fahrers war sehr schwierig. Es war schwer sich nahe an einem Boliden zu halten, der durch das starke Andrücken Luftverwirbelungen am Heckflügel erzeugte. In dieser Zeit entschied man sich dafür, dass ab dem Jahr 2009 die F1-Boliden von der aerodynamischen zur mechanischen Bodenhaftung, sprich zu Reifen vom Typ Slick, zurückkehren.

Slick-Reifen

Slick-Reifen (Foto wikimedia.org)


Bridgestone lieferte noch über zwei Jahre Reifen, bis Ende 2011 das italienische Pirelli-Unternehmen den Vertrag über die Lieferung von Reifen an die Formel 1 erhielt. In der Saison 2017 gibt es die nächste kleine Revolution in der Königsdisziplin des Motorsportes, wobei es um gänzlich neue Reifen geht. Die Vorderreifen werden von 245 auf 305 mm verbreitert und die Hinterreifen werden von 325 auf 405 mm vergrößert. Ob dies auch diesmal zu einem Wechsel des Leaders führt? Wir werden sehen. 


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