Geschichte der Michelin-Reifen

  • Autor: OPONEO.DE

Sie kennen es alle. Das Ungetüm mit menschlichen Zügen, das ein wenig an eine Figur aus Lego-Steinen, den netten Geist Kasper und den sagenhaften Golem erinnert. Bibendum, auch als Michelin-Mann bekannt, hat als Werbefigur das Unternehmen begleitet, das die Reifenindustrie seit Jahrzehnten mit immer neuen bahnbrechenden Erfindungen überrascht.

Das Maskottchen, das die Hindernisse verschluckt

Wenn wir schon mit dem Haupterkennungszeichen der französischen Marke beginnen, soll auch daran erinnert werden, dass Bibendum (auf lateinisch bedeutet sein Name „austrinken”) sich die Bezeichnung als Ikone der Popkultur über viele Jahre hinweg redlich verdient hat. Das Männchen, mit dem – wie man sagt – früher Kinder an der Seine spielten, ist heute eines der unverwechselbarsten Warenzeichen weltweit. Es wurde in Liedern besungen (z.B. der französischen Raggae-Band Tryo), erschien in Comics („Asterix bei den Helveten” von 1970) und der Literatur (z.B. im Science-Fiction-Roman „Mustererkennung” von William Gibson). Im Jahr 2000 erklärte eine Jury Bibendum zum besten Unternehmenslogo aller Zeiten. Wie die Legende besagt, wurde die Idee zu seiner Schaffung durch Zufall geboren, als die Gründer des Unternehmens, die Brüder André und Edouard Michelin, bemerkten, dass ein Reifenstapel mit seiner Form an eine menschliche Gestalt erinnert. Auf dem Papier wurden ihr dann Arme und das unverwechselbare Lächeln hinzugefügt.

Autor des ersten Werbeplakats mit dem Michelin-Mann war 1898 der Künstler Marius Rossillon. Das Reifenmännchen erhebt darauf an einer Festtafel eine mit Glassplittern und Nägeln gefüllte Schale undspricht mit den Worten von Horatius den Toast: „Nunc est bibendum!” (d.h.: „Nun muss getrunken werden!”). Dieser Spruch bezieht sich auf die ersten Werbeslogans der Marke, nach denen ihre Reifen die Hindernisse geradezu „verschlucken” (oder eher: trinken).

Logo von Michelin

Logo der Marke Michelin

Eine Viertelstunde pro Reifen

Mit diesem Spruch warb Michelin zu einer Zeit – der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert – als die Reifenindustrie noch in den Kinderschuhen steckte und Reifen nur vom Aussehen an die heute hergestellten Erzeugnisse erinnerten. Obwohl 1889 als offizielles Geburtsjahr der französischen Firma angenommen wird (in diesem Jahr entstand die Michelin & Co.), soll auch an die Jahre erinnert werden, die der Entstehung der Marke Michelin vorangingen. Vorgänger der Brüder André und Edouard waren ihre Cousins, Aristide Barbier i Eduard Daubrée, die 1832 in Clermont-Ferrand einen kleinen Betrieb eröffneten, in dem Landmaschinen, Gummikugeln und später auch Dichtungen, Ventile und weitere Teile aus Gummi hergestellt wurden. Die Brüder Michelin übernahmen 1889 die Kontrolle über das Unternehmen und erweiterten das Angebot um Bremsen aus Kautschuk für Fahrzeuge, deren Reifen zu jener Zeit noch aus Holz bestanden.

Wesentlich bedeutender war eine andere Entwicklung jener Zeit. Nach der Erfindung des Luftreifens durch John Boyd Dunlop fanden die Herren Michelin eine Lösung zum Verkürzen der Zeit, die zur Reparatur der mit Vollgummireifen bestückten Räder benötigt wurde. Sie konstruierten den ersten abnehmbaren Luftreifen. Die Zeit, die für den Radwechsel benötigt wurde, verkürzte sich so auf fünfzehn Minuten, und das dank einer speziellen Verbindung der Radfelge mit dem Reifen mithilfe einer kleinen Schraube und Klemmen, die diese zwei Teile zusammenhielten. So wurden die Drahtreifen geboren.

Die Brüder Edouard und André musste viel Kraft und Geld aufwenden, nicht nur zur Perfektionierung ihres Patents, sondern auch um dafür zu werben. Zweites war durch den Einsatz von Michelin-Reifen in Rad- und Autorennen möglich. Der einfache Reifenwechsel sowie die hohe Belastbarkeit der Michelin-Reifen garantierten Erfolge u.a. bei der Rallye Paris-Brest-Paris und dem Rennen Paris-Bordeaux. 1891 wurde ihre Erfindung patentiert und machte das Familienunternehmen innerhalb weniger Jahre zur führenden Marke auf dem Markt.

Michelin

Bidendum hat sich im Lauf der Zeit geändert.

Einhundert Flugzeuge gratis

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm das Michelin-Werk in Clermont-Ferrand bereits 30 Hektar ein und beschäftigte viertausend Arbeiter. Die Firma eröffnete in London ihre erste Auslandsvertretung – die Michelin Tyre Co. Ltd.

Knapp drei Wochen nach Ausbruch des ersten Weltkriegs bot Michelin der französischen Regierung seine Dienste im Bereich des Flugzeugbaus an. Die ersten einhundert Maschinen wurden vom Unternehmen kostenlos gefertigt und die weiteren dann zu den Herstellungskosten verkaufte. Insgesamt baute das Unternehmen bis Kriegsende 1884 Flugzeuge.
Nach dem Ende des Krieges war die Rückkehr zur „zivilen” Wirklichkeit angesagt. Bereits 1923 stellte Michelin eine weitere Erfindung, den ersten Niederdruckreifen für Pkws mit der Bezeichnung „The Comfort” vor, der eine pannenfreie Laufleistung von 15.000 Kilometern ermöglichte. Bald darauf wurden ähnliche Reifen für Lastkraftwagen ins Angebot aufgenommen. Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges brachte die Firma den Reifen Michelin Metalic auf den Markt, den ersten Stahlgürtelreifen mit Stahldrähten zur Verstärkung des Pneus.

Radialreifen und eine neue Ära

Die Unternehmenschefs betrieben aber auch andere Geschäftsaktivitäten auf dem Markt. 1925 erwarben sie zwei Gummiplantagen in Indochina. Sechs Jahre wurde die erste Fabrik in Deutschland (Karlsruhe) eröffnet und im Jahr 1935 übernahm Michelin die Kontrolle über Citroën. Nach der Übernahme durch Michelin begannen bei Citroëndie Arbeiten an dem Prototyp TPV, aus dem sich das berühmten Modell 2CV entwickelte.

Eine epochale Leistung des französischen Unternehmens in der Nachkriegszeit war die Entwicklung des Patents für den ersten Reifen mit Radialkarkasse, der einen neuen Industriestandard markierte. 1952 begann Michelin, auch Lkws mit diesen Reifen auszustatten (ab Beginn der 80er Jahre werden auch Radialreifen für Flugzeuge und Motorräder hergestellt). 1965 wurde nördlich von Clermont-Ferrand das Test- und Forschungszentrum Ladoux eröffnet. Sein erster Erfolg war die Entwicklung des XASReifens mit asymmetrischgestaltetem Profil, der für Hochleistungsfahrzeuge vorgesehen war. Durch die technologischen und geschäftlichen Erfolge konnte das Unternehmen rasch wachen – 1966 beschäftigte Michelin insgesamt 81.000 Personen, von denen nicht ganz die Hälfte in Frankreich arbeitete.

Die weltbekannte Marke Michelin

Tweel – der Reifen ohne ReifenTweel – der Reifen ohne Reifen

Die neunziger Jahre brachten den ersten „umweltfreundlichen” Green X Reifen mitausgesprochen hoher Energieeffizienzund das revolutionäre Michelin PAX-System, mit dem ein Fahrzeug selbst mit defektem Reifen noch sicher fast 100 km weit kommt. Diese Entwicklungen waren weitere Schritte in Richtung der Schaffung des Reifens der Zukunft, der – wie zuvor die Luftbereifung oder der Radialreifen – nicht nur die Reifenindustrie, sondern auch den Verkehr selbst revolutioniert. Das neueste Modell ist das Modell Tweel, das sich aus Radnabe und Speichen zusammensetzt, die aus flexiblem Material gefertigt sind, das biegsam ist und Stöße absorbiert und anschließend in die ursprüngliche Form zurückkehrt. Mit dieser futuristischen Vision gehören die Probleme mit Reifenpannen und dem notwendigem Radwechsel endgültig der Vergangenheit an.

Noch bevor Tweel in seiner heutigen Form der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, schuf Michelin ein globales Reifenimperium mit 69 Produktionsstätten in 19 Ländern, Technologiezentren auf drei Kontinenten (Europa, Asien und Nordamerika) und sechs Kautschukplantagen in Brasilien und Nigeria. Michelin-Reifen werden heute in 170 Ländern verkauft und in Forschung, Herstellung und Vertrieb arbeiten fast 130.000 Personen. Zur Michelin-Gruppe gehören auch solche Marken wie Kleber, BFGoodrich, Riken, Taurus, Kormoran, Warrior, Siamtyre, Tigar, Euromaster und Recamic. Seit 1994, als Michelin in Warschau seine erste Zweigniederlassung in diesem Teil Europas eröffnete, ist das französische Unternehmen auch in Polen aktiv. Seit 1995 ist Michelin Eigentümer des polnischen Reifenherstellers Stomil Olsztyn.

Über einhundert Jahre Michelin-Führer

Seit Beginn ihres Bestehens ist die Marke in der Welt des Motorsports präsent und Michelin kann stolz auf zahlreiche große Erfolge in jeder Automobilsportdisziplin. Krönung des Engagements war der Gewinn von fünf Weltmeistertiteln in fünf verschiedenen Motorsport-Konkurrenzen durch Fahrer, die auf Michelin-Reifen setzten, in Formel 1, WRC, 24h Le Mans, Moto GP und VTT Cross Country.

Reifen sind der Schwerpunkt, aber in einem geschichtlichen Abriss der französischen Marke darf auch eine weitere Domäne nicht ausgelassen werden, in der Michelin seit 110 Jahren die Pole Position innehat – die auf eine Idee von André Michelin selbst zurückgehenden Touristikführer. 1900 gründete er ein Netz von Reiseinformationsbüros, die über die besten Strecken und sehenswerte Orte Auskunft gaben und Ratschläge erteilen, wo man übernachten oder zu Mittag essen kann. Mit der Zeit erschienen auch Karten und genaue Stadtpläne auf dem Markt. Die berühmten Publikationen sind heute nun nicht nur in Papierform, sondern auch in elektronischer Form erhältlich. Das Michelin Guide Restaurants App für das iPhone ermöglicht die rasche Suche nach Restaurants in der Gegend und die Webseite Viamichelin.pl vereint die Funktion eines Führers, einer Karte, einer Suchmaschine der besten Strecken und einer Hotel- und Restaurantdatenbank.

Das Gesamtwerk, das mit den Brüdern Michelin seinen Anfang nahm, kann man am besten mit eigenen Augen im Museum "L’Aventure Michelin" in Clermont-Ferrand betrachten und dort erfahren, wie sich das Maskottchen des Unternehmens, das nach und nach immer neue Hindernisse verschluckt, über die Jahrzehnte gewandelt hat.

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Galerie

Andre und Edouard Michelin

Das charakteristische Symbol der Reifen Michelin

Michelin Bidendum

Bibendum heute

bidendum alt

Bibendum früher

Die erste Fabrik von Michelin

Die alte Werbung

Michelinmarke

Altes Plakat von Michelin

Die Werbung von Michelin

Die alte Werbung von Michelin

Symbol der Marke Michelin

Das Rennen

Team von Michelin

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